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Initiative Pro Integration auf der 34. Jahrestagung des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache [ 14.06.2006 ]
Rubrik: Sprachkurse
Organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen der Integrationskurse des BAMF und die daraus resultierenden pädagogischen Konsequenzen
Die Initiative Pro Integration war auf der FaDaF- Tagung zum Themenschwerpunkt Integrationskurse DaZ mit einem Vortrag über die "organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen der Integrationskurse des BAMF und die daraus resultierenden pädagogischen Konsequenzen" vertreten. Während Dr. Hauschild vom BMI (Erika Hofmann war vom BAMF vertreten) in seinem Vortrag am Donnerstag eine erste positive Bilanz der Integrationskurse zog, zeigte Pro Integration die Praxis der Integrationskurse aus Sicht der TeilnehmerInnen und Kursträger.

Dr. Hauschild nahm zuerst zu der politischen Zielsetzung der Kurse Stellung, erläuterte dann den aktuellen Stand und kommentierte anschließend die Forderungen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes bezüglich der Durchführung der Integrationskurse aus Sicht des BMI. Zum aktuellen Stand der Kurse erklärte Dr. Hauschild, dass es auf Grundlage der durchgeführten Evaluation Verbesserungsbedarfe gebe, es werde u.a. die Verfahrenseffizienz überprüft und von Goethe und WBT werde zurzeit eine neue skalierte Sprachprüfung entwickelt. Außerdem werde mit Hochdruck an den Konzeptionen von Jugend- und Frauenkursen gearbeitet.

Zu den Forderungen des deutschen Volkshochschulverbandes nahm Dr. Hauschild wie folgt Stellung:

* Die Tatsache, dass das Sprachniveau B1 von den meisten TeilnehmerInnen nicht erreicht werden kann, entkräftete er mit dem Vergleich einer Autoproduktion: während früher die Produktion eines Autos 30 Arbeitsstunden beansprucht habe, seien heute nur noch 16 Arbeitsstunden notwendig. Genauso sei es mit der Sprachvermittlung: Wenn man die neuesten methodisch-didaktischen Erkenntnisse anwende, müsse eine Sprachvermittlung auch in 400 Unterrichtsstunden möglich sein. Außerdem habe eine Untersuchung der OECD-Sprachförderprogramme ergeben, dass die früher bei den Garantiefonds und SGB II 900 Unterrichtsstunden für Jugendliche dazu geführt hätten, dass diese zu lange vom Arbeitsmarkt ferngehalten worden seien. Eine Betroffenheitsbefragung habe zudem ergeben, dass die Jugendlichen gar keine längeren Kurse wünschten.

* Den Vorwurf des hohen Bürokratieanteils in den Kursen bezeichnete Dr. Hauschild als "Totschlagargument".

* Das BAMF soll eine Umsetzung bezüglich Möglichkeiten zur Qualitätssicherung auf Seiten der Kursträger überprüfen.

* Es soll geprüft werden, inwieweit eine Senkung der KursteilnehmerInnen auf 20 möglich ist.

* Nach einer ersten Auswertung der durchgeführten Evaluation liegen die Honorare für die Lehrkräfte zwischen unter 10 und über 30 €. Hier sollen Anreize für die Kursträger geschaffen werden, die Honorarsätze zu erhöhen.

* Die Auswertung der Evaluation hat weiter ergeben, dass 56 % der Kursträger vor Ort vernetzt sind. Diese Vernetzung und die Vernetzung mit anderen Bildungsangeboten soll weiter intensiviert werden.

* Die Bezahlung von 2,05 € pro Unterrichtsstunde und Teilnehmer müsse im gesamtpolitischen Kontext gesehen werden und hänge von Entscheidungen ab, die die Haushaltsmittel betreffen. Bei der Finanzierung stellt sich gemäß des BMI die Frage, ob eine Förderung der TeilnehmerInnen oder der Kursträger erfolgen solle. Zu dieser Fragestellung werden zurzeit internationale Vergleichsstudien von Rambol-Management erstellt.

Die Initiative Pro Integration, vertreten durch Amadeus Hempel vom IBH e.V., Dr. Beate Blüggel vom Deutschen Volkshochschul-Verband und Simone Henke von henke-schulungen e.V., hatte am Samstag auf der FaDaF-Tagung dann die Gelegenheit, aus der Sicht der Praktiker eine erste Bilanz der Integrationskurse zu ziehen. Amadeus Hempel verwies in seinen einleitenden Worten auf die Ziele der Initiative und auf das Ziel des Vortrags, nämlich gemeinsam mit den anwesenden Praktikern aus Lehre und Forschung Veränderungsvorschläge zu entwickeln, die sowohl die organisatorischen als auch die finanziellen Rahmenbedingungen der Kurse betreffen. Dr. Blüggel referierte kurz die Inhalte und Methoden der BAMF-Kurse und Simone Henke zeigte aus Teilnehmerperspektive, welche Hürden es gibt, bevor ein Teilnehmer mit einem Sprachkurs beginnen kann (Zuordnung zu Personengruppen, Klärung von Statusfragen, sprachliche Bewältigung einer Vielzahl von Formularen usw.) In der abschließenden Diskussion mit dem Fachpublikum nahm Erika Hofmann vom BAMF Stellung zu den präsentierten Fakten, indem sie darauf hinwies, dass die Träger ja konkrete Vorschläge machen könnten, wie man z.B. eine Minimierung der Bürokratie erreichen könne. Die Vortragenden konnten dem entgegenhalten, dass beim Praktikertreffen vor einem Jahr seitens der Träger sehr konkrete Vorschläge gemacht worden seien, dass die Forderung nach einem veränderten Einstufungstest schon seit einem Jahr bestehe und dass das BAMF schon einige Vorlagen von Trägern bekommen habe, aber keine Reaktion seitens des BAMF erfolgt sei. Frau Hofmann erklärte, dass sie sich bemühe, alle Vorschläge zu überprüfen und zu beantworten, was aber leider aus Zeitgründen nicht immer zu bewältigen sei. Prof. Ehlich, Mitglied in der Bewertungskommission, schlug vor, dass sich nun die Kursträger zusammen finden müssten, um konkrete Szenarien zu entwickeln, um möglichst schnell eine Minimierung der Bürokratie zu erreichen. Amadeus Hempel ermutigte das Fachpublikum, konkrete Veränderungsvorschläge an die Initiative Pro Integration zu schicken und regte zum Abschluss der Veranstaltung einen offenen und kommunikativen Dialog mit dem BAMF an.  ( avo )

Quelle: http://www.prointegration.org/
 
 
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